Montag, 28. Januar 2019

Ruby Vale


Heute ist Fritz 60. Geburtstag und für den heutigen Tag haben wir uns etwas Besonderes vorgenommen. Schon am Tag vorher hat Sophie mit einem Touranbieter telefoniert, der mit Touristen Fossicking-Touren macht, d.h. man wird an einen Platz geführt, wo man selber nach Saphiren suchen darf.

Touristenmine 


Wir standen also noch früher auf als sonst, zogen uns buschtauglich an und fuhren zum Treffpunkt, der an der Kreuzung vom Highway bei Anakie lag, Dort wartete Keith schon auf uns und 3 andere Autos mit Grabungswilligen waren auch schon da. Kaum waren wir angekommen, ging es auch schon los – anscheinend waren wir die letzten. Die Fahrt ging 20 km am Highway entlang, dann bogen wir auf eine Piste ab, der wir vielleicht noch 2 km folgten.


Dort sah man schon Eimer und Fässer stehen und einige Steinhaufen. Keith war nicht sehr gesprächig. Er packte Schaufeln, Pickel und Siebe aus und erklärte uns in dürren Worten, was zu tun sei. Erst mal zeigte er uns, wo wir graben sollten, dass man erst die großen Steine wegmacht, dann die Erde und die kleinen Steine in Eimer füllt. Diese werden dann zu einer Siebtrommel gebracht und dort grob gesiebt. Hinten fallen die großen Brocken raus, unten der Dreck und in einem Eimer werden die hoffentlich wertvollen Steinchen aufgefangen.
In einem groben Sieb werden die dann ausgewaschen, die kleinen fallen in ein feineres Sieb durch. Die Siebe werden dann auf einem groben Sackleinen ausgeleert und darin sucht man nach der Ausbeute.



Wir schnappten uns Schaufeln, Eimer und Pickel und legten an der uns angewiesenen Stelle los. Es war noch nicht zu heiß und wir waren voll motiviert! Schon nach ein paar ausgewaschenen Eimern fanden wir tatsächlich einen blaugrünen Smaragd, der nach Aussage von Keith ca. 300 Dollar wert wäre. Das motivierte uns natürlich sehr und wir buddelten fleißig weiter. Danach fanden wir allerdings nur mehr kleinere Steine. Es wurde heißer und heißer und auch Keith legte immer wieder eine „Smoko“ ein, der sich Fritz und Sophie gerne anschlossen. Die anderen Gräber hatten alle auch schon Steine gefunden und wir zeigten uns gegenseitig unsere Schätze.

Steine schaufeln

mit der Trommel aussieben


auswaschen

sieben
 
Saphire raussuchen

genau durchsuchen
 
unsere Ausbeute
 
Unter den Schatzsuchern kursieren diverse Gerüchte, dass z.B. Europäer ihren gesamten Urlaub in Australien mit dem Graben nach Edelsteinen verbringen und reich zurückkehren. Dass in Australien so viele unerschlossenen Bodenschätze liegen und man sie nur ausgraben muss, dass zwei Touristinnen beim Spazierengehen einen eigroßen Saphir gefunden haben (dazu auch noch gelb!) usw.
Sophie erfuhr von einer anderen Touristin, dass die Touristentouren nur an Plätze gehen, wo man kleinere Steine finden kann. Die Einheimischen kaufen sich für ein paar Tausend Dollar Häuser und lassen dann dort von einem Bagger 15 Meter in die Tiefe graben, weil erst in solchen Tiefen die großen Klunker liegen. Keine Ahnung, was davon stimmt. Klar ist, Keith kann von seinen Touren leben. Er hat ein Degree in BWL und stammt aus Neuseeland. Jetzt lebt er in der Nähe von Anakie und reißt sich kein Bein aus. Er schaut den Touristen beim Graben zu und sieht sich an, was sie gefunden haben.  Wenn es zu heiß wird, sitzt er im Schatten und um 1 oder 2 packt er seine Werkzeuge wieder zusammen und das Geld des Tages ist verdient!

So werden die Teilnehmer von Keith mit Tee versorgt
 
Wir waren jedenfalls sehr stolz auf unsere Funde und Keith hatte uns noch ein Labor in Ruby Vale empfohlen, wo wir unsere Schätze begutachten lassen könnten. Bei den wenigen Häusern in Ruby Vale fanden wir das „Labor“ schnell. Im vorderen Teil gab es Schmuckstücke mit Saphiren zum Kaufen und im hinteren Teil saß ein zotteliger älterer Mann vor einem ziemlich verstaubten Schleifstein und begrüßte uns freundlich. Auf dem Weg in den Laden kam uns ein australisches Pärchen entgegen, die mit uns auf Keith Tour waren und die ihren Fund auch begutachten lassen haben. Sie hatten einen relativ großen dunklen Saphir, von dem der Fachmann gesagt hatte, er wäre nicht viel wert, aber ihre kleineren helleren wären ganz gut.
Unseren größten bewertete er auch mit 200 bis 300 Dollar, zwei gute kleinere hätten wir noch und die restlichen wären zu klein. Sophie fragte, ob er die kaufen würde, aber da lachte er nur und bei den kleineren zeigte er uns ein ganzes Säkchen voll  - wenn wir so viele hätten, könnten wir zum Verkaufen wiederkommen. Dabei fielen ihm einige der kleineren Saphire auf den Boden und er fand es nicht mal notwendig, sich zu bücken und sie aufzuheben! Wir haben für nur ein paar von den Steinchen einen halben Tag lang zu dritt in der prallen Sonne Schwerstarbeit geleistet. Unglaublich.
Trotzdem war er sehr nett und freundlich und wir verabschiedeten uns mitsamt unseren Saphiren, die wir sowieso niemals verkauft hätten.

Feierabend
 
Zurück auf dem Campingplatz duschten wir erst mal und wuschen unsere staubigen und verdreckten Sachen. Anschließend gingen wir über die Straße in den Pub von Ruby Vale. Dort gibt es von 6 bis 8 Abendessen, man kann Bier trinken, Fernseh schauen, Billard spielen und es gibt Pokies in einem abgetrennten Raum. Laut Sophie lieben die Australier diese einarmigen Banditen . Außerdem bot das Pub noch einen Billardtisch und einen Geldautomaten, an dem man aber nur maximal 200 Dollar abheben konnte. Für uns eine seltsame Mischung!



 
Die Speisekarte für Fritz Geburtstagsessen bestand aus der Tagesspezialität „Lamb Schnitzel“, 3 Arten von Steak, 3 Fischgerichten, 2 Desserts und sonst nicht viel mehr.  Besonders gut waren die Pommes, die es fast zu jedem Gericht gab. Die Soße (Gravey), die es zu den Fleischgerichten gibt, ist eine Fertigmischung, die für mich undefinierbar schmeckt. Das Bier zum Essen gibt es an einer anderen Stelle im Pub, wurde frisch gezapft und hat auch gut geschmeckt. Im Großen und Ganzen war das schon in Ordnung. Besser als gar nichts zu bekommen!
Außen im Raucherdistrikt saßen ein paar alte langhaarige und langbärtige Gestalten mit ihren Bieren und qualmten vor sich hin. Die sahen aus, als ob sie jeden Tag im Busch unter sengender Sonne seit Jahren nach Edelsteinen suchen und es doch nicht weiter geschafft haben, als sich am Abend im Dorfpub von Ruby Vale ein Bier leisten zu können.
Wir gingen jedenfalls gezwungenermaßen wieder früh zu Bett, um am nächsten Morgen wieder den Weg Richtung Küste einzuschlagen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Rückkehr nach Brisbane

Unser Flug hatte bald eine Stunde Verspätung und wir kamen   am Abend in Brisbane an. Unser Uber-Fahrer, der uns in die gebuchte Wohnung bra...