Heute ist Fritz 60. Geburtstag und für den heutigen Tag
haben wir uns etwas Besonderes vorgenommen. Schon am Tag vorher hat Sophie mit
einem Touranbieter telefoniert, der mit Touristen Fossicking-Touren macht, d.h.
man wird an einen Platz geführt, wo man selber nach Saphiren suchen darf.
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| Touristenmine | |
Wir standen also noch früher auf als sonst, zogen uns
buschtauglich an und fuhren zum Treffpunkt, der an der Kreuzung vom Highway bei
Anakie lag, Dort wartete Keith schon auf uns und 3 andere Autos mit
Grabungswilligen waren auch schon da. Kaum waren wir angekommen, ging es auch
schon los – anscheinend waren wir die letzten. Die Fahrt ging 20 km am Highway
entlang, dann bogen wir auf eine Piste ab, der wir vielleicht noch 2 km
folgten.
Dort sah man schon Eimer und Fässer stehen und einige
Steinhaufen. Keith war nicht sehr gesprächig. Er packte Schaufeln, Pickel und
Siebe aus und erklärte uns in dürren Worten, was zu tun sei. Erst mal zeigte er
uns, wo wir graben sollten, dass man erst die großen Steine wegmacht, dann die
Erde und die kleinen Steine in Eimer füllt. Diese werden dann zu einer
Siebtrommel gebracht und dort grob gesiebt. Hinten fallen die großen Brocken
raus, unten der Dreck und in einem Eimer werden die hoffentlich wertvollen
Steinchen aufgefangen.
In einem groben Sieb werden die dann ausgewaschen, die
kleinen fallen in ein feineres Sieb durch. Die Siebe werden dann auf einem
groben Sackleinen ausgeleert und darin sucht man nach der Ausbeute.
Unter den Schatzsuchern kursieren diverse Gerüchte, dass
z.B. Europäer ihren gesamten Urlaub in Australien mit dem Graben nach
Edelsteinen verbringen und reich zurückkehren. Dass in Australien so
viele unerschlossenen Bodenschätze liegen und man sie nur ausgraben muss, dass
zwei Touristinnen beim Spazierengehen einen eigroßen Saphir gefunden haben
(dazu auch noch gelb!) usw.
Sophie erfuhr von einer anderen Touristin, dass die
Touristentouren nur an Plätze gehen, wo man kleinere Steine finden kann. Die
Einheimischen kaufen sich für ein paar Tausend Dollar Häuser und lassen dann
dort von einem Bagger 15 Meter in die Tiefe graben, weil erst in solchen Tiefen
die großen Klunker liegen. Keine Ahnung, was davon stimmt. Klar ist, Keith kann
von seinen Touren leben. Er hat ein Degree in BWL und stammt aus Neuseeland.
Jetzt lebt er in der Nähe von Anakie und reißt sich kein Bein aus. Er schaut
den Touristen beim Graben zu und sieht sich an, was sie gefunden haben.
Wenn es zu heiß wird, sitzt er im Schatten
und um 1 oder 2 packt er seine Werkzeuge wieder zusammen und das Geld des Tages
ist verdient!
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| So werden die Teilnehmer von Keith mit Tee versorgt |
Wir waren jedenfalls sehr stolz auf unsere Funde und Keith
hatte uns noch ein Labor in Ruby Vale empfohlen, wo wir unsere Schätze
begutachten lassen könnten. Bei den wenigen Häusern in Ruby Vale fanden wir das
„Labor“ schnell. Im vorderen Teil gab es Schmuckstücke mit Saphiren zum Kaufen
und im hinteren Teil saß ein zotteliger älterer Mann vor einem ziemlich
verstaubten Schleifstein und begrüßte uns freundlich. Auf dem Weg in den Laden
kam uns ein australisches Pärchen entgegen, die mit uns auf Keith Tour waren
und die ihren Fund auch begutachten lassen haben. Sie hatten einen relativ
großen dunklen Saphir, von dem der Fachmann gesagt hatte, er wäre nicht viel
wert, aber ihre kleineren helleren wären ganz gut.
Unseren größten bewertete er auch mit 200 bis 300 Dollar,
zwei gute kleinere hätten wir noch und die restlichen wären zu klein. Sophie
fragte, ob er die kaufen würde, aber da lachte er nur und bei den kleineren
zeigte er uns ein ganzes Säkchen voll -
wenn wir so viele hätten, könnten wir zum Verkaufen wiederkommen. Dabei fielen
ihm einige der kleineren Saphire auf den Boden und er fand es nicht mal notwendig,
sich zu bücken und sie aufzuheben! Wir haben für nur ein paar von den Steinchen
einen halben Tag lang zu dritt in der prallen Sonne Schwerstarbeit geleistet.
Unglaublich.
Trotzdem war er sehr nett und freundlich und wir
verabschiedeten uns mitsamt unseren Saphiren, die wir sowieso niemals verkauft
hätten.
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| Feierabend |
Zurück auf dem Campingplatz duschten wir erst mal und
wuschen unsere staubigen und verdreckten Sachen. Anschließend gingen wir über
die Straße in den Pub von Ruby Vale. Dort gibt es von 6 bis 8 Abendessen, man
kann Bier trinken, Fernseh schauen, Billard spielen und es gibt Pokies in einem
abgetrennten Raum. Laut Sophie lieben die Australier diese einarmigen Banditen .
Außerdem bot das Pub noch einen Billardtisch und einen Geldautomaten, an dem
man aber nur maximal 200 Dollar abheben konnte. Für uns eine seltsame Mischung!
Die Speisekarte für Fritz Geburtstagsessen bestand aus der
Tagesspezialität „Lamb Schnitzel“, 3 Arten von Steak, 3 Fischgerichten, 2
Desserts und sonst nicht viel mehr.
Besonders gut waren die Pommes, die es fast zu jedem Gericht gab. Die
Soße (Gravey), die es zu den Fleischgerichten gibt, ist eine Fertigmischung,
die für mich undefinierbar schmeckt. Das Bier zum Essen gibt es an einer
anderen Stelle im Pub, wurde frisch gezapft und hat auch gut geschmeckt. Im
Großen und Ganzen war das schon in Ordnung. Besser als gar nichts zu bekommen!
Außen im Raucherdistrikt saßen ein paar alte langhaarige und
langbärtige Gestalten mit ihren Bieren und qualmten vor sich hin. Die sahen
aus, als ob sie jeden Tag im Busch unter sengender Sonne seit Jahren nach
Edelsteinen suchen und es doch nicht weiter geschafft haben, als sich am Abend
im Dorfpub von Ruby Vale ein Bier leisten zu können.
Wir gingen jedenfalls gezwungenermaßen wieder früh zu Bett,
um am nächsten Morgen wieder den Weg Richtung Küste einzuschlagen.
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